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Naska von den Gänsewiesen



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Gesundheit - Magendrehung

Gedanken über die Magendrehung beim Hund

Gehören Hunde großer schwerer Rassen zur Familie, macht man sich immer mal wieder Gedanken über eine eventuelle Magendrehung, und wie man diese am besten verhindern kann. Gerade dann, wenn im Bekanntenkreis schon Hunde betroffen waren, gibt es Fragen und Überlegungen.
Auch wir haben selbstverständlich alle Maßnahmen, die man so kennt - hoch gestellte Fressnäpfe, mindestens zwei Stunden nach dem Fressen kein Spielen mit Springen, zweimal täglich füttern, etc. - eingehalten. Damals waren es zwei Deutsche Doggen, und da will man schließlich alles richtig machen.
(Ich habe allerdings von einer neueren Studie gehört, nach der es keine Rolle spielen soll, ob die Näpfe hoch gestellt sind oder nicht.)
Wir waren völlig geschockt, als unsere Doggenhündin trotzdem eines Abends mit begründetem Verdacht auf Magendrehung vor uns stand. Die Fahrt zum Tierazt ging schnell, die Behandlung war sofort eingeleitet, aber für unsere Hündin leider zu spät.
Was war falsch gelaufen?
Erneut gab es Fragen über Fragen und ich begann, Fachliteratur zu lesen, mich bei anderen Betroffenen zu informieren, mit Tierärzten zu sprechen… Leider konnte ich zu dieser Zeit nichts Neues finden.
Als dann Naska einzog, fing ich an, mich wieder mit diesem Thema intensiv zu beschäftigen. Einen zweiten Magendrehungs'vorfall' wollte ich mir und meiner neuen Hündin nicht antun.


Was passiert bei einer Magendrehung?

Man kann mehrere ‚Arten' der Entstehung einer Magendrehung unterscheiden:
  1. Die ‚klassische' Magendrehung, die durch Springen, Toben, Wälzen, … vor allem nach dem Fressen hervorgerufen wird.
  2. Die Magendrehung, die durch die Aufgasung des Magens passiert.
  3. Eine Ausdehnung des Magens wegen ständig großer Futtermengen, wie es bei einmal täglichem Füttern der Fall ist, und dadurch Erschlaffung des Gewebes mit zunehmenden Alter.

Warum in manchen Fällen eine Aufgasung zur Magendrehung führt und in anderen Fällen nicht, warum manche Hunde öfters doch nach dem Fressen spielen und nichts passiert, andere Hunde einmal eine falsche Bewegung machen und eine Magendrehung bekommen, können auch Tierärzte nicht mit Bestimmtheit sagen.


Klinisches Bild der Magendrehung

(Kurzfassung)

Der Magen des Hundes ist bei einem gesunden Tier am Eingang der Speiseröhre fest und wird durch zwei weitere Bänder gehalten. Ansonsten ist er relativ beweglich.
Bei einer Ansammlung von Gasen und einer ungünstigen Lage der Gasblase ist er erweitert und jetzt kann es vorkommen, dass der Magen durch die Gasblase auf der einen Seite und der Futtermenge auf der anderen Seite anfängt, sich zu drehen. Das kann allein, oder unterstützt durch die Bewegung des Hundes, passieren.
Durch die Drehung werden Speiseröhre und der an den Magen anschließende Dünndarm blockiert. Die entstandenen Gase können nun erst recht nicht mehr entweichen.
Die Blutzufuhr zum Magen und weiteren Organen ist unterbunden, es folgen Schädigungen der Magenschleimhäute und -wand. Wenn die Magenwand durchbricht, gelangt der Mageninhalt in den Bauch, was wiederum zu einer Bauchfellentzündung führen kann. Gleichzeitig wird die Milz geschädigt, auch die Leistung des Herzens (Sauerstofftransport) ist stark gemindert.
Werden nicht rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergriffen, sind die entstandenen vielfältigsten Schäden nicht wieder gut zu machen und der gesamte Kreislauf des Hundes bricht zusammen. Für das Tier kommt dann jede Hilfe zu spät.
Die Symptome für eine Magendrehung sind: Würgen, ohne dass etwas erbrochen wird, wenn doch, dann meist Schleim; versucht der Hund Wasser aufzunehmen, läuft dieses innerhalb kürzester Zeit durch Maul/Nase wieder raus; anfangs ist der Hund sehr unruhig, wird dann aber immer ruhiger bis hin zur Apathie und Kreislaufversagen.


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Wer kann eine Magendrehung bekommen?

Es kann fast jeden Hund treffen, aber es gibt mehrere Faktoren, die das Risiko einer Anfälligkeit für eine Magendrehung ausmachen. So spielen zum Beispiel die Größe und das Alter des Hundes eine Rolle, auch eine Herzerkrankung /-schwäche kann für erschlafftes Gewebe und erschlaffte Bänder verantwortlich sein.
Der wichtigste Faktor für eine Magendrehung ausgelöst durch Aufgasung ist die Ansammlung von Gasen im Magen, damit ein verlangsamter Durchfluß des Nahrungsbreies durch den Magen zum Dünndarm. Dies kann auf einer eingeschränkten Beweglichkeit des Magen-Darm-Traktes beruhen.
Nun bin ich bei dem wichtigsten Hinweis auf eine eventuelle Anfälligkeit zur Magendrehung beim eigenen Hund: Magen-Darm-Probleme.
Probleme, die der Hund immer mal wieder hat, die aber nicht unbedingt als chronisch zu bezeichnen sind, weil der Hund zwischendurch scheinbar beschwerdefrei ist. Darauf sollte man achten! Und auf keinen Fall abtun mit: ‚ach, mein Hund hat schon wieder etwas Falsches gefressen', jedenfalls nicht dann, wenn diese Probleme längerfristig gesehen immer wieder auftauchen.


Magen-Darm-Probleme

Anzeichen für Magen-Darm-Probleme beim Hund sind unter anderem Übelkeit + Erbrechen, Durchfälle oder breiiger Kot über einen längeren Zeitraum, Blähungen und auch so genannte ‚ Leckanfälle'.
(Der GSMDCA bezeichnet es als ‚licking episodes'.)
Man wundert sich anfangs über das komische Verhalten seines Hundes, später sind es berechtigte Sorgen.
Der Hund leckt sich und den Boden und/oder die Wand immer intensiver, bei eventuellem starken Speichelfluß. Er wird immer aufgeregter bis hin zur Panik. Dann wird angefangen, alles zu verschlingen, was gerade da ist: Gras samt Wurzeln und Erde, Steine, Holz. Im Haus können es Socken, Decken oder Teppichecken sein, die angefressen werden.
Als Besitzer merkt man schnell, dass das nichts mehr mit dem normalen Grasfressen zu tun hat.
Die Ursache ist wohl eine Überproduktion von Säure im Magen, dadurch eine vermehrte Gasbildung und -ansammlung, die dann dem Hund so großes Unwohlsein verursacht, dass dieser versucht, eben mit solchen Leck- und Fressanfällen etwas dagegen zu tun. Das Grundproblem oder Auslöser können Magen-Darm-Probleme sein.
Einmal die Säurenüberproduktion im Magen, die sich dann noch zusätzlich mit einer allgemeinen Darmträgheit paaren kann. Das heißt, der Mageninhalt bleibt länger im Magen als normal, weil der Durchfluß zum und durch den Dünndarm verlangsamt ist. Das begünstigt wiederum die Aufgasung im Magen. Liegt eine Trägheit des unteren Darmtraktes vor, kann das am breiigen Kot, der länger als gewöhnlich anhält, erkannt werden. ‚Normaler' Durchfall sollte sich in der Regel durch Gabe von Schonkost innerhalb von drei Tagen gegeben haben.

(Zeigt der Hund Anzeichen eines solchen Leckanfalles oder muß nach dem Fressen öfters aufstoßen, kann man auch an ‚Sodbrennen' denken. Vielleicht wird das Futter oder einzelne Komponenten dieses nicht vertragen. Ein Gespräch mit dem Tierarzt ist auf jeden Fall anzuraten!)

Ganz klar, hier greifen sämtliche Vorsichtsmaßnahmen einer ‚normalen' Magendrehung nicht.


Hilfe bei Magen-Darm-Problemen

Ich füttere unseren Hunden ausschließlich Fleisch und Flocke!

Die Flocken (Getreidemix) werden eingeweicht und mit Rinderfleisch und -innereien gemischt und verfüttert. Das Fleisch ist gewolft, und da die Flocken schon vorgeweicht sind, ist die Quellung im Magen insgesamt sehr gering, somit ist die Verweildauer im Magen kürzer und die Gefahr einer Aufgasung reduziert. Unser Dobi-Mix ist Magen-Darm vorbelastet und bekommt deshalb statt des Getreidemixes einen Reismix.
Vitamine und Mineralstoffe sind sowohl im Fleisch als auch in den Mixen ausreichend vorhanden.
Als Knabberei und Zahnreinigung dienen getrockneter Pansen und Rinderoberschenkelknochen.


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Schnelle Hilfe

Einen Tipp habe ich vom Tierarzt noch zu den Leckanfällen bestätigt bekommen:

Diese Tabletten sind in jeder Apotheke schnell besorgt, aber die Gabe von Medikamenten an sein Tier unterliegt jedem selber! Eine vorherige Absprache mit dem Tierarzt ist empfehlenswert.

An dieser Stelle möchte ich ganz dringend darauf hinweisen, dass das Beschriebene Erfahrungs- und Beobachtungswerte sind, die wir selbst, aber auch andere Hundebesitzer, erlebt haben. Wir haben keinerlei medizinische Ausbildung! Wenn Sie den Verdacht haben, Ihr Hund ist krank, ist ein Tierarztbesuch dringend notwendig!

Auch möchte ich unserem Tierarzt Dr. med. vet. N. Ehrenberg besonders danken, der stets für unsere Tiere zu allen möglichen und unmöglichen Zeiten da ist und auch meine Fragen immer geduldig beantwortet.

Quellen: - Greater Swiss Mountain Dog Club of America, Oct. 2002 (www.gsmdca.org/health)
            - eigene Erfahrungen und Gespräche mit anderen Hundehaltern




Einen weiteren interessanten Beitrag über die Fütterung im Zusammenhang mit der Magendrehung des Hundes füge ich hier als Anregung mit an:


Ergebnis der Magendrehungsstudie

Ernährungsbedingte Risikofaktoren für Magendrehung: Eine Zusammenfassung der fortlaufenden Langzeitstudie der Purdue University in West Lafayette, Indiana (USA), die über fünf Jahre lief. Das Fazit könnte bei den Haltern gefährdeter Hundetypen zum Umdenken bei manchen Fütterungsgewohnheiten führen.

Veröffentlicht im Journal of the American Animal Hospital Association, Ende 2004. Übersetzt von Gitta Vaughn

Untersucht wurden die Hypothesen, ob die Fütterung von kommerziellem Trockenfutter das Risiko für Magendrehung erhöht, eine grössere Menge Futter pro Mahlzeit und ein erhöhter Kohlenhydratanteil im Futter das Risiko ebenfalls erhöhen.

Die Hunde wurden eingeordnet nach grosser oder geringer Menge an Futter, basierend auf der durchschnittlichen Anzahl an Tassen Futter pro kg Körpergewicht pro Mahlzeit.

Eine grössere Menge pro Mahlzeit verdoppelt das Risiko - unabhängig von der Anzahl Mahlzeiten pro Tag. Für Gross- und Riesenrassen ist das Risiko für die Hunde am höchsten, die eine grosse Menge Futter einmal pro Tag erhalten. Am allerhöchsten ist hier das Risiko für die Riesenrassen. Hier steigt das Risiko auf das Dreifache an.

Die Ergebnisse bestätigen die Richtigkeit des Rates, statt einer grossen Mahlzeit zwei oder drei kleinere Mahlzeiten pro Tag zu füttern, um einer Magendrehung vorzubeugen.

Die Mägen von gesunden Hunden, die eine Trockenfuttermahlzeit pro Tag über mindestens einem Jahr erhielten, waren grösser als die Mägen von gesunden Hunden, die drei Trockenfuttermahlzeiten täglich erhielten, und sie waren auch grösser als die Mägen von Hunden, die Fleisch- und Knochen-Rationen ein- bis dreimal täglich erhielten.

In der Autopsie, zwei Stunden nach der Fütterung, zeigte sich, dass die Mägen von Hunden, die Trockenfutter erhalten hatten, deutlich mehr Futterreste aufwiesen als die anderen Gruppen. Hunde, die Trockenfutter erhielten, hatten auch das höchste Magengewicht - als Prozentgewicht im Vergleich zum Körpergewicht im Vergleich mit den anderen Gruppen. Hunde, die Fleisch- und Knochen-Rationen erhielten, hatten das geringste Magengewicht.

Es scheint, dass eine grosse Mahlzeit täglich den Magen erweitert und erschwert, was sich im Laufe der Zeit dehnend auf die Bänder auswirkt. Diese Bänder wurden bei Hunden mit Magendrehung als deutlich länger beschrieben, im Vergleich zu gesunden Hunden.

Die Frage, ob kommerziell hergestelltes Trockenfutter eine Rolle beim Entstehen der Magendrehung spielt, konnte in dieser Studie nicht eindeutig beantwortet werden. Diese Fragestellung erfordert einen anderen Studienaufbau. Es konnte kein Zusammenhang gefunden werden zwischen erhöhter Kohlenhydrataufnahme und Magendrehung.

Untergewichtige Hunde, die im ersten Lebensjahr eine schwere oder chronische Krankheit erlitten, weisen ein deutlich höheres Risiko auf. Es kann jedoch nicht belegt werden, ob dies als Ursache zu sehen ist, oder ob es eine andere Grundursache für diese Erkrankung gibt, die dann schliesslich zur Magendrehung führt

Zwei kleinere Purdue-Studien von 1998 sind in diesem Zusammanhang auch ziemlich bemerkenswert und sollten daher in Erinnerung gerufen werden: Die Zugabe von Tischresten ins Futter wirkt stark mindernd auf das Risiko einer Magendrehung. Auch Dosenfutter senkt das Risiko, aber nicht so stark wie Tischreste.

Eine weitere Erkenntnis: Hunde die nur eine einzige Futtersorte bekommen, tragen ein höheres Risiko. Eine epidemiologische Studie an Irischen Settern fand, dass Hunde, die nur eine einzige Futterart erhielten, ein dreifach höheres Risiko für Magendrehung hatten als eine Gruppe Irischer Setter, die eine Mischung verschiedener Futterarten erhielten (Elwood CW: Risk factors for gastric dilatation for Irish setter dogs. J. Small Anim Pract 1998).

Die Zugabe von Tischresten in die Nahrung von Gross- und Riesenrassen wurde mit einem 59 % verringertem Risiko für Magendrehung in Zusammenhang gebracht, die Zugabe von Dosenfutter mit einem um 28 % verringerten Risiko (Glickman LT, Glickman NW, Schellenberg NW: Multiple risk factors for the gastric dilatation-volvulus syndrome in dogs: a practitioner/owner case-control study. J Am Anim Hosp Assoc 1997).

Magendrehung ist in den USA die zweithäufigste Todesursache nach Krebs. In den Jahren 1964 - 1994 wurde ein Zunahme um 1500 Prozent registriert, die Gründe hierfür sind noch unbekannt. Ausgegangen wird jedoch von Umweltursachen wie zum Beispiel veränderte Fertigfutterherstellung, veränderte Herstellung und/oder Verwendung von Impfstoffen etc. Zucht und Beliebtheit bestimmter Rassen lassen diese extreme Zunahme nicht erklären.

Einen traurigen Spitzenplatz nehmen die Deutschen Doggen ein. Über 50 Prozent von ihnen werden höchstwahrscheinlich an Magendrehung erkranken und nahezu ein Viertel der betroffenen Hunde werden die Erkrankung nicht überleben.



Kommentar:

Das Fazit ist für viele Halter vielleicht nicht neu, aber durch diese Langzeitstudie knochentrocken belegt: Frischfleisch- und -knochen-Fütterung belastet den Magen weniger als Trockenfutter, täglich nur einmal mit grossen Mengen gefütterte Hunde und sehr grosse Hundetypen sind magendrehungs-gefährdeter als kleinere.

Vorsicht jedoch vor vorschnellen Urteilen der Rohfleischfütterer, denn die exakte Begründung der Studienleitung besagt nicht, dass Magendrehung nur durch Trockenfutter gefördert wird oder anders herum, dass eine genetische Disposition (Erblichkeit) auch bei rohfleisch- gefütterten Hunden auszuschliessen ist. An der grundsätzlichen Erkenntnis ändert dies jedoch freilich nichts.

Und noch eine Erkenntnis, gerade bei der "Erinnerung", dies ist aber manchen vernünftigen Hundehaltern nicht neu: Nicht alles, was früher gefüttert wurde, war automatisch schlecht, diesen Eindruck kann man bei manchen Laiendiskussionen im Internet aber bekommen. Ich wage den Ausdruck, dass manche Hysterie auf geistigem Durchfall beruht und wenig Nahrhaftes dran ist, was den fundamentalistischen Anspruch und so manche Hypothesen an "gesunde" Ernährung betrifft. Da ist das Thema Magendrehung ein hypochondrisch-menschliches.

Quelle: http://www.hundezeitung.de/top/top-85.html

Auf dieser Internetseite können der Artikel, sowie andere bzw. frühere Erkenntnisse der Studie, noch einmal nachgelesen werden.


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